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Sollen linkshändige Menschen ›andersrum‹ spielen?

Unterrichten

InstrumentalpädagogInnen über händigkeitssensiblen Unterricht

Lehrende
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Benno Huber Violinlehrer

»Ist jemand linkshändig, kann der Bogen mit dieser linken Hand viel besser geführt werden und das ist eminent wichtig. Gewicht geben und wieder nehmen, Bogenwechsel ausführen, Melodien führen und fühlen… Die ganze Fühl-Welt geht unter, wenn sich die dominante Hand nicht ausdrücken darf, denn der musikalische ›Plan‹ liegt im Bogen. Dort ist der Ursprung.
Möchte ich linkshändige Schüler entsprechend linksherum spielen lassen, erlebe ich teils große Widerstände, denn sie möchten nicht ›anders‹ sein, nicht auffallen und erlernen deshalb das Geigenspiel oftmals wie Rechtshänder.
In meinen Ohren hat die Tongebung bei Linkshänderschülern, die mit rechts streichen, etwas Hölzernes, was schwer wegzukriegen ist. Ich spüre gleich von Anfang an, dass etwas Gehemmtes in der Bogenführung mitschwingt. Es hat etwas Künstliches und zu sehr Bemühtes.
« – zum Interview

Elfriede Stahmer ehem. Professorin für Methodik und Didaktik des Violinspiels an der HMTMH Hannover 

»Als Anfänger nicht entsprechend der Händigkeit zu spielen, bringt in der Regel vermehrt Schwierigkeiten mit sich (zu viel Kraft in der Greifhand, zu wenig Ausdruckskraft in der Bogenhand) und stellt unnötige Hürden, die vermeidbar sind.

Lehrende sollten sich trauen und auf das Thema einlassen, denn letztendlich macht händigkeitsgerechtes Musizieren so vieles einfacher – vor allen Dingen gesünder.

Wenn ich einen Musiker erlebe, ist für mich in erster Linie entscheidend, ob dieser einen gesunden Eindruck auf mich macht. Ist die Beziehung zwischen Körper und Instrument nicht harmonisch, sondern angespannt, stimmt in der Regel etwas Grundsätzliches nicht. Das kann z. B. das Spielen entgegen der Händigkeit sein – zum Interview

LiobaThiel

Lioba Thiel Klavier- und Keyboardlehrerin 

»Tatsächlich fühlen sich Linkshänder, wenn sie händigkeitsgerecht spielen können, viel wohler, haben einen schöneren Ton, mehr Ausdruck, eine bessere Rhythmik und sind viel entspannter und ausgeglichener. Fast alle steigern sich ebenfalls in der Schule mit ihren Leistungen. Bei männlichen Wesen noch gravierender als bei weiblichen. Aber leider wollen nicht alle Eltern, wenn man händigkeitsgerecht unterrichten möchte, z. B. wenn sie zu Hause ein akustisches Klavier haben, das ist sehr schade.«

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Karoline Renner Orchestermusikerin und Lehrbeauftragte am Mozarteum Salzburg 

»Meine Erfahrungen aus über zwei Jahrzehnten Flötenunterricht mit Linkshändern aller Leistungsniveaus zeigen mir, dass sie sich alle auf der Rechtshänderflöte zurechtfinden. Das ist bei meinen Überlegungen aber nicht das Ausschlaggebende. Was ich erlebe, ist, dass Linkshänder einen wesentlich höheren Aufwand betreiben müssen, um auf der Rechtshänderflöte zurechtzukommen. Sie sind zeitlebens auf der Suche nach einem ganz bestimmten Gefühl der Richtigkeit für sich selbst, ganz besonders in ›Bühnenmomenten‹, in denen sie sich für ein Publikum oder eine Jury durch ihr Instrument ausdrücken und „zeigen“ wollen. Es ist vielfach bewiesen, dass Linkshänder auf der konventionellen Flöte dieselbe technische Perfektion wie Rechtshänder erlangen können. Nur ist zu fragen, welchen energetischen emotionalen und zeitlichen Mehraufwand zu Lasten welcher Qualitäten – Wohlbefinden, Sicherheit, Ausdauer, Kraft, Aufmerksamkeit, Empathie, Flow – sie dafür leisten müssen.« – Website

Martial Gauthier

Martial Gauthier Geigenlehrer am CRD de Créteil (Frankreich)

»Die Bogentechnik ist für uns alle so schwierig! Die Intention und Richtung der Musik, der Klang, die Persönlichkeit und die Phrasierung liegen zu 99% im Bogen. Deshalb denke ich, dass man den Bogen in die führende Hand nehmen muss. Wir alle suchen nach einer natürlichen Haltung – warum sollten wir also mit einem Handicap beginnen?« [übersetzt] – zum ganzen Interview

Geza Loso

Géza Losó Pianist & Klavierlehrer

»Es gibt immer noch Leute, die sagen: ›Man hat zwei Hände. Das Klavier wurde für zwei Hände gemacht‹. Aber die wissen nicht, dass die Händigkeit beim Klavier noch wichtiger ist als bei anderen Instrumenten. Es ist nämlich so: Mit zwei Händen hat man am Klavier drei Funktionen: Bässe, Akkorde und Melodie. Und wenn man das durcheinanderbringt, dann hat man irgendwo Defizite. Es ist nicht egal, welche Hand was spielt, weil bei einer Hand das Gehirn immer um den Bruchteil einer Sekunde schneller schaltet. Beim Linkshänder ist das die Linke, deshalb muss man die Melodie, die absolut immer das Wichtigste beim Klavierspiel ist, mit der dominanten Hand spielen. Dann ist die Gestaltung richtig, dann hat man ein gutes Gefühl und alles andere kann man dazu formen, aber nicht umgekehrt.« – zum ganzen Interview

Ludwig Quandt Solocellist der Berliner Philharmoniker

»Viele Linkshänder, die tolle Musiker hätten werden können, sind wahrscheinlich einfach unter den Tisch gefallen, denke ich, wenn sie entgegen ihrer Händigkeit spielen mussten. Es geht ja hauptsächlich um den Bogen. Das Bewusstsein, was der Bogenarm macht, die Bewegung im Raum – dorthin ist alles orientiert. Das ist eine völlig andere Herausforderung als für die Greifhand.« zum ganzen Interview

Reingard Voß Violinstudentin

»Bei einer meiner Schülerinnen fällt das rechtsherum Spielen als Linkshänderin ganz klassisch aus: Sie hört unglaublich gut und hat mit der Greifhand wenig Probleme. Mit dem Bogen gibt es jedoch Schwierigkeiten. Als sie bei mir anfing, sagte sie oft: ›Es quietscht immer wieder. Ich kriege das irgendwie nicht hin.‹ Ihre Geigenhaltung sah in meinen Augen gut aus und ich verstand zuerst nicht, worin ihre Schwierigkeit bestand, den Bogen nicht natürlich über die Saiten ziehen zu können. […] Als ich ihr die Geige anders herum in die Hand gab, waren ihre Worte: ›Seltsam vertraut‹. Sie geht in die fünfte Klasse und konnte das in diese Worte fassen!« – weiterlesen

Lukas Briggen Posaunist & Lehrer an der Musikschule Basel

»Ich merke, dass die Sensibilität für das Thema Händigkeit in der Musik bei weitem noch nicht selbstverständlich ist. Es macht eben einen Unterschied und es gibt auch einen Grund, weshalb Instrumente in einer rechtshändig orientierten Welt dementsprechend konzipiert und gespielt werden! Besonders bei Kindern ist es wichtig, dafür aufmerksam zu sein, um ihnen keine Steine in den Weg zu legen. 

Meine linkshändigen Schüler ermuntere ich immer wieder, ihre Händigkeit beim Posaunenspiel zu berücksichtigen. Aber bei ihnen scheint der Anpassungsdruck zu groß zu sein, um sich für das Linksspielen entscheiden zu können. Ich habe mehrere linkshändige Schüler, die aber unbedingt mit rechts spielen wollen. Ich kann und möchte sie nicht zwingen, von der Norm abzuweichen, finde es aber selbstverständlich schade, dass sie sich dadurch das Leben schwerer machen. Generell finde ich aber, dass die Sensibilität für die Unterschiedlichkeit der Menschen wächst und das empfinde ich als positiv. Die Händigkeit ist einfach ein Aspekt von vielen.« – weiterlesen 

Laila Kirchner Cellistin

»Unter den Celloanfängern in der Streicherklasse waren zwei linkshändige Kinder, die darunter litten, mit rechts streichen zu müssen. Der Junge war intelligent, kam aber am Cello überhaupt nicht zurecht. Er konnte keinen störungsfreien Ton spielen, lernte das Greifen nicht richtig und schlug öfters mit dem Bogen nach dem Zweitlehrer, der ihn korrigierte. Er hat den Bogen immer wieder in die linke Hand genommen und es andersrum probiert, rein intuitiv, und wurde immer wieder umgedreht und als schwierig bestraft. Das Mädchen hat sich eher angepasst, hat aber immer über ihren Schmerz im rechten Arm geklagt. Als ich darauf hinwies, bekam ich richtigen Gegenwind von der Dozentin. 

Das ist eine Thematik, die ähnlich wie bei der Schreibhand so weit aufgeklärt sein sollte, dass sich jeder Instrumental-Pädagoge in der Ausbildung und danach damit beschäftigen und dazu eine neutrale Haltung entwickeln sollte. Das heißt, wenn Kinder oder Eltern wünschen, links zu spielen oder es einmal auszuprobieren, dann sollte der Lehrer auch offen dafür sein und es unterrichten oder gegebenenfalls an einen Kollegen vermitteln, anstatt zu sagen: ›Das macht man nicht.‹« – weiterlesen

Konrad Hauser

Konrad Hauser Gitarrenlehrer & Lautenist

»Als Gitarrenlehrer hatte ich mit dem Thema der Rückschulung auf dem Instrument nicht viel Erfahrung. Es war wie eine Fügung, dass plötzlich vier Linkshänder in meiner Gitarrenklasse waren, die jedoch alle rechtsherum spielten, sodass ich dachte: Das kann ich so doch nicht stehen lassen! Da ich selber Rechtshänder bin und mit Umlernenden zuvor keine Erfahrung hatte, war ich vorsichtig und hatte auch etwas Bammel, was denn alles passieren könnte. Ich war dann sehr, sehr positiv überrascht, wie schnell die Umstellung doch ging! Es gab bei allen aber auch eine Phase der Ernüchterung, in der sie merkten, dass das Umlernen mit viel Arbeit verbunden ist. Das war gleichzeitig aber auch spannend zu beobachten: Ob die Umstellung auf links also wirklich die richtige Entscheidung war? Die zwei Erwachsenen, die dabei geblieben sind, werden das sicher von sich behaupten und der kleine Junge weiß wahrscheinlich gar nicht mehr, dass er früher einmal rechtsherum gespielt hat... ;)« – weiterlesen 

Christopher Thomas Gitarrist & Musikschul-Leiter

»Die Greifhand ist die vorbereitende Hand, während die Anschlagshand die ausführende ist. Alles, was Emotionen betrifft, geht über die dominante Gehirnhälfte, demnach auch in die Anschlag-/Zupfhand. Deswegen ist so wichtig, hierfür die dominante Hand zu nehmen: Um die Musik wirklich umsetzen und das ausdrücken zu können, was aus dem Innern kommt! Würde ich als Linkshänder rechtsherum spielen, wäre das nicht so einfach gegeben und das Emotionale würde eher pragmatisch umgesetzt werden. Es kann dann nicht aus dem Herzen gespielt werden, sondern die ganze wohlgemeinte Ausführung gerät auf ›Umwege‹ und kostet zu viel Energie – alles vermeidbar bei händigkeitsgerechter Spielweise.« – weiterlesen

Peer Oehlschlägel

Peer Oehlschlägel Schlagzeuglehrer

»Früher war ich auch der Ansicht, dass die Händigkeit am Schlagzeug quasi egal sei, da wir die Stöcke auf die gleiche Art benutzen. Schlagzeuger trainieren die Hände insbesondere auf das gleichmäßige Spiel. Nachdem ich aber tiefer recherchierte und überdachte, was ich in all den Jahren gelernt habe, kam ich darauf, dass es definitiv nicht so ist: Es gibt eine Führungshand.
Seit ich ›linksherum‹ spiele, fühle ich, was ich produziere und das macht einen Riesenunterschied. Beim wirklichen Musizieren, das ich nun erlebe, werde ich selber zum Instrument. Es bedeutet nicht nur eine andere Qualität – das ist mehr! Man ist in gewisser Weise losgelöst und gleichzeitig absolut in der Musik – ein gravierender Unterschied zu früher.
Es darf nicht sein, dass Musikschulen linkshändig schreibende Kinder auf dem Instrument umschulen. Das geht gar nicht!«
 – weiterlesen 

Linkshändige InstrumentalschülerInnen berichten

Lernen
Lernende
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»Ich habe mit sechs Jahren das Cellospiel linksherum begonnen. Damals hielt ich Bogen und Cello direkt wie ein Linkshänderinstrument, denn so fühlte es sich gut an. Meine Eltern und der Geigenbauer fanden spannend zu sehen, dass ich das Instrument intuitiv auf diese Weise zu mir nahm und darauf experimentierte. Daher ließen sie mich linksherum beginnen und soweit ich weiß, wurde über diese Entscheidung nicht lange diskutiert. […] So herum fühlt es sich richtig an. Ich finde es super, mit ein erster angehender professioneller Linkscellist zu werden! Gleichzeitig habe ich aber nie versucht, ein großes oder besonderes Ding daraus zu machen, denn es sollte normal sein, entsprechend der Händigkeit zu spielen und deswegen nicht anders behandelt zu werden.« weiterlesen

Konstantin Arestov

Laila Kirchner

»Mein Vater wollte sich damals 1991 dafür einsetzen, dass ich das Cellospiel links herum lerne. Leider war die Lehrerin noch jung und kannte Linksspielen nur von verletzten Musikern. Sie traute es sich nicht zu, mich so zu unterrichten. Daher musste ich doch mit rechts streichen lernen. Ich hab mich tatsächlich vier Jahre lang sehr gequält mit dem Streichenlernen. Durchweg blieb meine rechte Hand schwächer und unerziehbarer. 

Auch im Studium hatte ich sowohl kräftemäßig und vom Tempo her als auch gefühlsmäßig eine ganz schlechte Verbindung zu meiner rechten Hand. Ich hab sie einfach nicht wahrgenommen. Sie war wie so ein Anhängsel an meinem Körper und ich bin da mit dem Bewusstsein nicht reingekommen. Dadurch konnte ich nie verstehen und umsetzen, was die Lehrenden mir wirklich gesagt haben oder was sie meinten.« – weiterlesen 

Jodi DiLiberto
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Jodi DiLiberto

»Meine erste Harfe war meine kleine Pixie Harp ›Linette‹. Sie wurde mir vor Jahren von meiner Tochter geschenkt. Ich war absolute Autodidaktin. Da ich Linkshänderin bin, habe ich die Harfe spiegelverkehrt gehalten und auf der ›falschen‹ Seite gespielt, weil sich das für mich natürlich anfühlte. Das einzige wirkliche Problem dabei ist, dass es nicht möglich ist, die Haken beim Spielen hochzuklappen, um die Halbtöne zu ändern. Ich habe mich in die Harfe verliebt und möchte mich mit ihr so gut wie möglich ausdrücken können. Jeden Morgen wache ich voller Erwartung auf und freue mich auf den Moment, in dem ich meine Harfe in den Händen halte und spüre, wie ihre Saiten unter meinen Finger vibrieren. Diese Schwingung geht direkt in mein Herz! Im Dezember hatte ich das Glück, eine größere und viel resonantere Harfe zu kaufen, eine Dusty Strings Crescendo 34, die ich Luscinia getauft habe. Ich lerne nun, sie ›richtig‹ zu spielen. Es ist möglich, eine Linkshänder-Harfe speziell anfertigen zu lassen, aber das würde mehr kosten (Wie fair ist das?!). Ich musste hart daran arbeiten, auf der rechten Seite zu spielen und meine rechte Hand für die Melodielinien zu benutzen. Das war eine riesige Herausforderung, was für mich sehr merkwürdig ist, denn ich spiele mehrere Instrumente und habe kein Problem damit. Aus irgendeinem Grund war es auf der Harfe absolut lähmend – aber ich mache es jetzt! Ich muss mein Gehirn nur ein wenig umorganisieren!« [übersetzt] weiter zu Jodis Blog (externer Link)

»Ich spiele Geige, seit ich fünf bin. Durch meine Eltern, die Musiker sind und sich damals mit der zentralen Rolle der Bogenhand beim Geigespielen beschäftigt hatten, hatte ich das große Glück, das Geigenspiel direkt so zu lernen, wie es sich für mich richtig anfühlte und es immer noch tut: Mit links streichen und mit rechts greifen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass mir mal irgendwer sagte, in welche Hand ich jetzt was zu nehmen hätte. Es scheint immer ganz klar für mich gewesen zu sein, den Bogen in die linke Hand zu nehmen. Sehr oft beschreiben Menschen auch, dass ich beim Linksspielen natürlich aussehe. Sie stellen nicht in Frage, ob es vielleicht auch rechts herum gegangen wäre. Von außen höre ich oft: Das sieht einfach richtig herum aus für dich.« weiterlesen

Reingard Voß

Christian von Savigny

»Mit sechs Jahren begann ich das Klavierspiel. Meine Klavierlehrerin musste lange daran arbeiten, meine linke Hand leiser werden zu lassen, weil ich mit dieser immer so gedonnert habe. Damals wusste ich noch nicht, dass es Linkshänderklaviere gibt. Ich habe irgendwann einfach akzeptiert: ›Klavier ist so herum‹ und es nicht mehr in Frage gestellt. Aber zum Spaß sagte ich oft: ›Oh, das wäre cool, wenn ich links die Melodie hätte.‹

Mit zehn Jahren begann ich das Bratschenspiel, das ich von Anfang an linksherum lernte. Da war für mich klar, dass ich es nicht entsprechend der Konvention spielen werde, weil es sich tatsächlich so falsch angefühlt hatte, als ich es einmal rechtsherum versuchte. Es ist eine ganz andere Welt, entsprechend der Händigkeit zu spielen. Anders wäre es total anstrengend. Ich glaube, viele unterschätzen am Anfang den Bogenarm. Die Aufgabe der Greifhand bleibt eher eine mathematisch-rationale, während die Bogenhand die Emotionen zum Klingen bringt und an die Menschen weiterträgt.« weiterlesen

Christian

von Savigny

Chiara Kaiser

»Ich bin eindeutige Linkshänderin und streiche mit links, seit ich mit sechs Jahren auf der Geige angefangen habe. Womit ich nie Probleme hatte, war die Klangerzeugung. Es ist eben so wichtig, mit der dominanten Hand zu streichen! Der Klang ist dann einfach gut und voll. Das war gar keine Frage für mich, dass ich die Geige auf diese Art spielen möchte: So selbstverständlich, wie ich mit links schreibe, so eindeutig war es für mich, die Geige auch links zu spielen. So fühlt es sich für mich natürlich an.« weiterlesen

Chiara Kaiser

Mira

»Ich spiele Geige, seit ich zwei Jahre alt bin. Meine erste Geige war eine ›normale‹, aber ich habe sie trotzdem mit links gespielt. Ich habe oft versucht, mit dem Bogen in der rechten Hand zu spielen, aber es funktioniert einfach nicht: Sehr unbequem.« – Mira (7) aus Schweden [übersetzt]

Mira

Linksgeigerin

»Ich habe schon linksrum Gitarre gespielt und als ich mit 35 Jahren mit der Geige angefangen habe, fühlte sich das einfach richtiger an. Da war ich in einem Alter, wo ich mich nicht mehr hab belabern lassen. :) Aber es nimmt einen nicht jeder Lehrer und nicht jedes Orchester und man bekommt schwieriger Geigen für Linkshänder. Erst der dritte Lehrer hat mich angenommen! Die Begründungen der anderen waren Dinge wie: ›Zu unbekannt. Damit kennen wir uns nicht aus. Dann wäre das ja spiegelverkehrt…‹ Die können sich das wohl nicht vorstellen, weil sie es noch nie gesehen haben. Dabei ist das Linksspielen im Unterricht ja viel praktischer, weil man sich spiegelverkehrt gegenübersteht und dadurch genau sehen kann, was der Lehrer macht.«

Tine

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»Als ich vor acht Jahren mit Geige anfing, wollte ich linksrum spielen, weil ich hundertprozentige Linkshänderin bin. Aber mein Lehrer und der Geigenbauer sagten nein. Also lernte ich rechtshändig und behielt meine Rebellion für mich. Ich fühlte mich ein bisschen schlecht dabei, weil es das erste Mal war, dass ich ›gezwungen‹ wurde, etwas mit rechts zu tun. Als ich klein war, sollte ich mit der rechten Hand schreiben lernen, aber ich verweigerte und blieb stolze Linkshänderin. Und nun, Jahre später, wurde ich an der Geige gewissermaßen zur Rechtshänderin! An den Bogen in der rechten Hand habe ich mich gewöhnt, aber ich frage mich immer, wie es wohl andersrum wäre…« [übersetzt]

Anouk Benbunan

Vaïalyn, lefty violin and cello player

Vaïalyn

»Als ich klein war, gab es in meiner Familie eine alte Geige. Ich liebte es, damit zu spielen, und hielt sie intuitiv in der rechten Hand, um mit der linken zu zupfen. Ich wusste nicht, dass es eigentlich nicht so gehört. :) Als ich mit Unterricht anfing, fragten meine Eltern die Lehrerin, ob ich mit links streichen könnte. Ich war damals noch nicht an der Musikschule, sondern nahm Unterricht bei einer älteren Bratschenschülerin. Sie hatte nichts dagegen. Meine Mutter unternahm viele Nachforschungen, ob es überhaupt möglich ist und ob es mir helfen würde, mit meiner dominanten Hand zu streichen. Sie hat sich da wirklich für mich eingesetzt! Beim ersten Versuch, ans Conservatoire zu wechseln, wurde ich abgelehnt, weil sie es als Greuel betrachteten, eine Geige ›umzudrehen‹. Außerdem hatten die Lehrenden dort Angst, mich nicht unterrichten zu können. Aber nach einer Probestunde merkten sie, wie einfach das eigentlich ist! Wie vor einem Spiegel. :) Das passierte jedes Mal, wenn ich den Lehrer wechselte: Zuerst hatten sie Angst, dann konnten sie sich aber total schnell umstellen. Ich fand es auch immer toll, in Ensembles zu spielen – vor allem in Geigenduos, weil wir uns da gegenüberstehen können. Ich habe nie bereut, mit links zu streichen: Als Linkshänderin ist es für mich mit dieser Hand einfacher, all meine Energie, meine Empfindungen und meine Lebenskraft in die Musik zu geben, während meine rechte Hand ‚nur‘ präzise ihre Technik ausführen muss.« [übersetzt] – @vaialyn