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Christine Vogel

Viola da gamba & Kontrabass

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Christine Vogel, Violone

© Arnold Widera

Christine Vogel studierte Viola da gamba, Violone und historischen Kontrabass unter anderem an der HfMDK Frankfurt am Main bei Heidi Gröger und Dane Roberts sowie Musikwissenschaft in Halle (Saale) und Leipzig. Neben einer breitgefächerten Konzerttätigkeit als Bassistin und Gambistin mit diversen Barockorchestern und
-ensembles liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Vermittlung Alter Musik.

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Im Interview mit Linksgespielt

13. August 2021

Wie beschreibst du deine Händigkeit? 

Ich bin Linkshänderin, aber nicht von der ausgeprägtesten Sorte. Manche Dinge im Alltag mache ich mit rechts bzw. wechsle die Hände ab.

Hast du deine Instrumente von Anfang an „linksrum“ gelernt?

Nein. Mein erstes Streichinstrument, das Cello, habe ich als Jugendliche bewusst rechtsrum gelernt, weil mir das praktischer erschien und ich in meinen Anfängen keinen Unterschied zwischen Linksstreichen und Rechtsstreichen wahrnehmen konnte.

 

Wann hast du umgelernt und weshalb?

Mitten im Bachelorstudium habe ich mit dem Umlernen begonnen; wegen einer Bewegungseinschränkung im rechten Arm, die einer entspannten Bogenführung mit rechts entgegensteht.

Bitte erzähl uns mehr über deine Herangehensweise und den Umlernprozess.

Ich hatte damals Kontakt zu Walter Mengler, der mir riet, anfangs nur wenige Minuten pro Tag mit links zu streichen. Dazu habe ich eine Diskantfidel umbesaitet und zunächst ganz langsam und entspannt einfache Melodien und Übungen mit links gestrichen. Teilweise unter Rezitation mittelhochdeutscher Texte, um die Unabhängigkeit von Hände und Sprache zu fördern. :)

Über die ersten drei Umlern-Jahre habe ich einen ausführlichen Bericht geschrieben, den ich auf Anfrage gerne teile.

Nach 3 Jahren hatte ich das erste Mal das Gefühl, erfolgreich umgelernt zu haben. 'Richtig schnell spielen' funktionierte erst nach etwa 8 Jahren.

Was waren die größten Herausforderungen am Umlernen?

Die Koordination der beiden Hände und, dass man über jede Bewegung bewusst nachdenken muss. Nichts geht mehr automatisch und scheinbar simpelste Abläufe entpuppen sich als koordinatorische Meisterleistung (Stichwort: Bindungen 😱).

Woher hast du deine Instrumente?

Eine 7-saitige Bassgambe habe ich in Instrumentenbaukursen gebaut, quasi mit links für links. Eine linke Diskantgambe konnte ich einer ebenfalls umgelernten Amateur-Gambistin abkaufen. Ein alter Violone war bereits für linkes Spiel eingerichtet! 

Alle weiteren Gamben und Bässe sind umbesaitete Rechtshänder-Instrumente. Bei manchen wurde noch der Steg angepasst, bei anderen nicht.

Spielst du im Orchester? Was sind deine Erfahrungen bezüglich der Seitigkeit?

Ich spiele in wechselnden Formationen, meist historisch. Das Linksspielen ist kein Thema und wird meistens gar nicht bemerkt oder zumindest nicht thematisiert. Selbst manchen StreicherkollegInnen, mit denen ich regelmäßig zusammenspiele, fällt es erst nach Jahren auf. :)

Meiner Erfahrung nach ist Linksspielen nur dann ein Problem, wenn es zu einem gemacht wird. Für die Aufstellung gibt es immer eine Lösung, z. B. außen spielen. 

Welche kuriosen Erlebnisse hattest du schon mit deiner Spielweise?

Mich überrascht immer wieder, wie unterschiedlich Menschen auf ungewohnte Seitigkeit reagieren – und zwar unabhängig von ihrer Vorbildung am Instrument. Manche merken jahrelang nichts, anderen springt es sofort ins Auge.

Unvergessen bleibt ein namhafter Gambist, dem beim bloßen Anblick der linksseitig gehaltenen Gambe ein Schrei des Entsetzens entwich.

Gab es negative Reaktionen?

Auf das Linksspielen nicht. Höchstens Unsicherheiten, die sich aber ausräumen ließen. Beim Umlernen bin ich durchaus auf Skepsis gestoßen, vor allem, weil es so lange gedauert hat und dabei nicht absehbar war, ob es überhaupt jemals gut werden würde.

Siehst du Vorteile darin, andersherum zu spielen?

Ja, in vielen Ensemble-Konstellationen ist es für den Bass passend, links außen zu spielen. Linksstreichend ist dann das Instrument zum Publikum gewandt.

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