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Indien: Pandit Pravin Godkhindi spielt die Bansuri-Flöte nach links

Pandit Pravin Godkhindi aus Bangalore ist ein Meister der Bansuri. Die Bansuri ist eine indische Querflöte aus Bambus. Sie ist sehr lang und erfordert eine starke Spreizung der Finger. Sie wird in beiden klassischen Traditionen verwendet, dem nördlichen Hindustani und dem südlichen karnatischen System.



Der indische Flötist Pravin Godkhindi spielt die Bansuri nach links, trägt eine dunkelgrüne Jacke und blickt in die Kamera.


Ein Interview von Laila Kirchner



Siehst du dich selbst als Links- oder Rechtshänder?


In allen anderen Bereichen bin ich Rechtshänder. Nur die Flöte spiele ich auf der linken Seite.


Hast du schon immer nach links gespielt?


Ja, denn ich folge dem Vorbild meines Vaters, meinem Guru (Lehrmeister). Er war auch Rechtshänder. Er hatte keinen Guru, sondern war Autodidakt. In seiner Kindheit begann er, die Flöte auf der linken Seite zu spielen. Später hörte er Flötisten im Radio, aber er sah nie einen, nicht einmal auf Bildern.


Weil er auf diese Weise zu spielen begann, wurde es ihm zur Gewohnheit. Er hatte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, da er keine Anleitung bekam, wie man die Flöte hält. Später korrigierte er seine Fingerhaltung, nachdem er Pandit Panalal Gosh, einen bekannten Flötisten, spielen sah.

Seit meiner Geburt sah ich ihn die Flöte immer auf der linken Seite spielen. Also habe ich das einfach imitiert.


Ich habe mehrere indische Flötisten gesehen, die nach links spielen. Wie hoch ist denn der Anteil der Linksflötisten ungefähr?


In der südindischen karnatischen Tradition findet man kaum einen Flötisten, der links spielt.

Nur in der nordindischen Hindustani-Tradition haben wir etwa 70 % Rechts- und 30 % Linksspielende.


In der hindustanischen Bansuri-Tradition betrachten wir Pandit Panalal Gosh (1911–1960) als den Pionier der Flöte. Er spielte rechtshändig. Pandit Hariprasad Chaurasia, der die Bansuri in der ganzen Welt populär machte, und mein Vater Pandit Venkatesh Godkhindi spielten nach links. Und einige andere auch. Wahrscheinlich ist das eine Gewohnheit, die sich aus der Praxis ergeben hat.


Wie entscheidet man sich denn für eine Spielweise? Entsprechend der Händigkeit oder der Tradition?


Ich denke, entsprechend der Tradition. Ich habe noch nie einen Flötisten getroffen, der mit der linken Hand schrieb und deshalb nach links spielte. Alle Flötisten, die ich kenne, die nach links spielen, sind Rechtshänder. Der Grund dafür ist der Lehrmeister. Wir übernehmen die Spielweise, die uns zuerst beigebracht wird. In den ersten Unterrichtsstunden, sei es von den Eltern, einem Film oder direkt von einem Guru, übernehmen wir das, was wir sehen. Das erscheint uns als richtig und natürlich.


Wie ist denn die Situation für Linkshänder in Indien im Allgemeinen?


Ja, es gibt viele Linkshänder. Sie schreiben mit der linken Hand. Sogar im Kricket gibt es Linksspieler. Aber alle links spielenden Flötisten, die ich kenne und in meinem Kopf durchgegangen bin, sind von Geburt an rechtshändig.

Es gibt andere Instrumentalisten, einen linkshändigen Sarodspieler, der mit der linken Hand zupft. Das ist völlig neu! Es ist akzeptiert, aber sehr selten.


Das ist total interessant! Bei uns würde man eine linke Flöte nur aufgrund der Händigkeit oder wegen eines Handicaps spielen. Kein Rechtshänder würde das einfach so tun.

Hat dein linkshändiges Spiel jemals Bedenken oder seltsame Situationen verursacht?


Ich glaube, ich habe keine seltsamen Situationen erlebt. Es gibt keine Leute, die sagen: »Oh, du spielst ja auf der anderen Seite!« Es gibt eine Art von Akzeptanz. Von meiner Kindheit an haben die Leute das immer akzeptiert.


Sind Bansuris für das einseitige Spielen hergestellt oder kann man sie auf beiden Seiten gleichermaßen spielen?


Ja, normalerweise können sie auf beiden Seiten gespielt werden, nach rechts und nach links. Traditionell wird die Basuri mit allen Löchern in einer Linie hergestellt. Aber heutzutage platzieren die Flötenbauer die Löcher so, dass auch Menschen mit kleineren Fingern sie leichter greifen können. Sie befinden sich also nicht mehr in einer geraden Linie. Sogar das Blasloch ist zum Mund des Flötenspielers hin verschoben. Ich stelle meine eigenen Flöten mit einem Daumenloch her – eine Sonderanfertigung.


Flötenbauer machen es den Lernenden bequemer. Denn die Kinder verlieren das Interesse, wenn sie die tiefen Löcher nicht erreichen. Mit dieser Methode bleibt ihr Interesse am Spielen bestehen. Jeder professionelle Flötist muss eigentlich mit den geraden Löchern spielen, denn das ist unsere Tradition. Aber heutzutage haben sogar professionelle Flötisten Anpassungen vorgenommen, um längere Flöten leichter spielen zu können.


Nur ein paar Flötenbauer können auf beiden Seiten spielen. Denn wenn sie die Flöte personalisieren wollen und der Kunde ein Linksflötist ist, müssen sie auch für ihn die speziellen Löcher anpassen. Sie können ziemlich gut auf der linken Seite spielen. Sie sind nicht sehr gut, aber sie können beide Seiten fast gleich gut spielen.


Du spielst eine Altflöte und eine Kontrabassflöte. Ich habe beobachtet, dass du die Altflöte auch nach links hältst, die Kontrabassflöte aber mit der linken Hand oben und der rechten Hand unten. Wie kommt das?


Gut beobachtet! Als ich die Kontrabassflöte kaufte, war es eine fertige Flöte aus den Niederlanden. Nach einigen Programmen mit einem niederländischen Musiker wollte ich meine eigene haben. Aber eine linkshändige Kontrabassflöte war sehr teuer. Also musste ich ein rechtshändiges Instrument kaufen.


Schon als ich in den 90er Jahren kommerziell für Filme spielte, wollten sie, dass ich die westliche Metall-Querflöte spiele. 1996 kaufte ich meine erste Querflöte. Damals waren Linkshänderflöten zehnmal so teuer wie Rechtshänderflöten. Und in Indien waren sie nicht erhältlich. Also musste ich sie rechtshändig kaufen.





War es für dich einfach, auf die rechte Seite zu wechseln?


Es war schwierig! Ich kann nicht sagen, dass es leicht war. Aber nicht so schwierig. Schon als Kind habe ich die Seiten gewechselt und mich darüber lustig gemacht. Ich habe meinem Vater gezeigt: Der Guru spielt auf der linken Seite und das klingt schön, und der Shishya, der Schüler, spielt auf der rechten Seite, was nicht schön klingt und nicht richtig ist. Das war nur zum Spaß. Aber später fiel es mir dadurch leichter, die westliche Flöte nach rechts zu spielen, und es war nicht ganz so schwierig für mich, zu wechseln.


Aber die Kontrabassflöte war sehr schwierig. Ich habe fast zwei Jahre gebraucht, um sie zu beherrschen. Ich muss neben der großen Flöte stehen, mit der linken Hand oben und der rechten Hand unten. Selbst jetzt bin ich dabei manchmal noch verwirrt.


Bringst du deinen Schülern bei, nach rechts oder nach links zu spielen?


Ich habe viele Schüler. Mein Sohn begann als Kleinkind mit dem Flötenspiel und lernte erst von meinem Vater und jetzt von mir. Er spielt auch wie wir beide nach links. Ich habe versucht, ihn zu überreden, dass er rechtshändig spielen soll, damit er auch westliche Instrumente spielen kann, aber er hat gesehen, dass mein Vater und ich immer linkshändig gespielt haben, also hat er sich entschieden, auch linkshändig zu spielen. Er ist auch Rechtshänder.


Aber es gibt auch westliche Flöten für das linksseitige Spiel.


Ja, aber sie sind teurer. Ich denke, man sollte eine gleiche Anzahl von Flöten für Links- und Rechtsspielende herstellen, damit sie für jeden erschwinglich sind.


Das ist auch meine Meinung. Es sollte keinen Unterschied bei den Kosten geben. Aber ich denke, es hängt von der Nachfrage ab. Es sollte mehr Linksspieler geben, um es für die Hersteller attraktiver zu machen…

Wie unterrichtest du deine anderen Schüler?


Die meisten von ihnen spielen rechtshändig. Die erste Inspiration für sie, noch bevor sie irgendeinen Flötisten auf Youtube sehen, ist, dass die Eltern ihnen das Bild von Lord Krishna zeigen. Auf allen Bildern wird die Flöte mit der rechten Hand gehalten.

Einige sehr junge Anfängerschüler sind verwirrt, wenn sie mich imitieren. Nach einigen Unterrichtsstunden wechseln sie dann auf die linke Seite, weil sie dadurch eine bessere Verbindung zu mir als ihrem Guru bekommen.


Wir geben ihnen Unterstützung, indem wir ihnen sagen, mit welcher Hand sie welche Löcher schließen müssen. Aber einige von ihnen kommen mit dem gespiegelten Spiel nicht zurecht. Sobald sie sich daran gewöhnt haben, spielen sie nur noch auf der linken Seite und wechseln nicht mehr zurück.


In welchem Alter beginnen die Schüler denn mit dem Flötenspiel?


In unserer Einrichtung »Sanjog Bansuri Mahavidyalaya« haben wir etwa 70 bis 80 Schüler. Sie beginnen im Alter von etwa sechs Jahren mit kleineren Flöten. Einige sind sogar erst vier oder fünf Jahre alt. Diese beginnen mit geraden Bambus- oder Stahlflöten. Nur für die ersten paar Monate, um es ihnen leichter zu machen. Wenn sie das Greifen gelernt haben, wechseln wir zur Seite. Als Teenager bekommen sie dann größere Flöten, je nach Handgröße.


Gibt es Orchester oder Ensembles, in denen mehrere Flöten zusammen spielen und wenn ja, wie sind Links- und Rechtsspieler dort angeordnet?


Ja, vor kurzem habe ich ein Sinfonieorchester geleitet mit etwa 60 meiner Schüler. Ein paar von ihnen spielen auf der linken Seite. Wenn wir Mikrofone verwenden, ist es hilfreich, die Linksspieler zusammen zu setzen, damit die Mikrofone besser auf einer Seite platziert werden können, da wir sie direkt auf die Blaslöcher ausrichten.


Auch wenn ich viele rechtsspielende Flötisten in einer Reihe aufstellen muss, ist die Mikrofonierung schwierig. Ich würde es bevorzugen, wenn es 50 % linke und 50 % rechte Spieler wären.





Fotos und Video: Pravin Godkhindi privat

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