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Hausarbeit: Linkshänder im Schlagzeugunterricht

5. BL „Das Schlagzeug im Unterricht“, 2011

Autor: Peer Oehlschlägel

Dozent: Claus Hessler

Fach: Drumset



1 Einleitung


Viele Missverständnisse, Vorurteile, überlieferte landläufige Meinungen, erschweren den klaren Blick auf dieses Thema. In allen gesellschaftlichen Bereichen, mehr oder weniger in allen Kulturen wird linkshändigen Menschen eine freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten und damit nicht zuletzt ihrer beruflichen Möglichkeiten erschwert.

Ursache hierfür sind negative Assoziationen, die sich sprachlich, gedanklich und emotional so sehr über Jahrhunderte manifestiert haben, dass sie bis zur Verfolgung und Unterdrückung von Linkshändern geführt haben. Jeder kennt diese sprachlichen Besetzungen wie: »linkisch«, „gelinkt“, „zwei linke Hände“, „linker Typ“ etc.

Ähnlich negativ besetzte Begriffe finden sich in vielen Sprachen und Kulturen, vor allem in militärisch geprägten Gesellschaften, in denen Uniformität wichtig ist.

In manchen Bereichen, leider längst nicht in allen, hat die vorurteilsfreie Berücksichtigung der Linkshänder bessere Chancen und gesündere Arbeitsbedingungen hervorgebracht. So werden linkshändige Kinder an allgemeinbildenden Schulen nicht mehr zwangsumgeschult und in Arbeitsschutzrichtlinien wird die andere Arbeitsweise zur Sicherheit der Linkshänder berücksichtigt.

Es ist an der Zeit, dass sich auch die Instrumentalpädagogik mit dieser Thematik auseinandersetzt und Konzepte entwickelt, um den ca. 15 % linksschreibenden Schulkindern im Instrumentalunterricht gerecht zu werden.


Viel zu oft arbeiten die öffentlichen Musikschulen Privatanbietern zu, weil sie ihren Musiklehrern keinerlei Konzepte an die Hand geben, um Linkshändern gerecht zu werden. Wohl bedingt durch die stärkere Ausrichtung auf die sogenannte „E-Musik“, herrscht hier eine konservative Haltung den Linkshändern gegenüber vor. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus sollte man dieser bestimmten Zielgruppe nicht mehr mit Ignoranz und Gleichmacherei begegnen!

Da ich der Ansicht bin, dass bis heute auf die Bedürfnisse von linkshändigen Musikschülern zu wenig eingegangen wird, möchte ich der Frage nachgehen, wie ein linkshändergerechter Schlagzeugunterricht aussehen könnte.






2 Physiologische Grundlagen der „Händigkeit“


In der Medulla oblongata („verlängertes Mark“), genauer: dort in der Pyramidenbahnkreuzung, laufen 80 % der Nervenbahnen der rechten Körperhälfte in die linke Gehirnhälfte und umgekehrt. Die motorische Steuerung, vor allem die feinmotorische, wird also von der jeweils gegenüberliegenden Gehirnhälfte geleistet. Dies ist bei allen Säugetieren der Fall. Durch die Lateralisation, die Arbeitsteilung zwischen linker und rechter Gehirnhälfte, sind diese auf verschiedene Funktionen spezialisiert. So sind z. B. mehrheitlich logisch-sprachliche und analytische Fähigkeiten in der linken Gehirnhälfte angesiedelt, wohingegen synthetisches, ganzheitliches Denken der rechten Gehirnhälfte zugeordnet wird.

Die Erkenntnisse über die Lateralisation stammen aus der Forschung an sogenannten

„Split-Brain-Patienten“ (Patienten mit durchtrenntem Corpus Callosum, dem beide Hirnhälften verbindenden Balken aus Nervenfasern). Der Amerikaner Roger W. Sperry erhielt hierfür 1981 den Nobelpreis. Auch der „Wada-Test“, bei dem jeweils eine Gehirnhälfte betäubt wird, trug hierzu bei.

Dass die beiden Gehirnhälften unterschiedliche Aufgaben erfüllen, gilt heute als wissenschaftlich gesichert. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Fähigkeit, Tonhöhen und Melodien zu erkennen, in der rechten Hirnhälfte angesiedelt ist. Die zweite wichtige Erkenntnis ist, dass beim Menschen eine Hirnhälfte von Geburt an die dominante ist.


Die dominante Hirnhälfte liefert natürlicherweise sowohl den ersten Handlungs-Impuls als auch den ersten Verarbeitungsimpuls auf äußere Eindrücke. Selbstverständlich arbeiten beim gesunden Menschen beide Hirnhälften zusammen, doch kann gerade diese Zusammenarbeit nur dann optimal funktionieren wenn eine Hirnhälfte „führt“.

Hier wieder ist besonders interessant, dass bei Musikern der „Corpus Callosum“ – die Verbindung beider Hirnhälften – besonders ausgeprägt ist, wie auch die Erkenntnis der moderneren Hirnforschung, dass beim Musizieren wie bei keiner anderen Tätigkeit sämtliche Hirnzentren aktiv sind. Das Musizieren kann daher als eine der für das Gehirn anspruchsvollsten Tätigkeiten angesehen werden.

Es ist allerdings noch unklar, ob die starke Zusammenarbeit über den „Corpus Callosum“ die Unterschiede der Hirnhälften verstärkt oder ausgleicht. Wir müssen davon ausgehen, dass hochkomplexe Aufgaben wie das Musizieren nur geleistet werden können, weil eine Hirnhälfte die Führung übernimmt.

Es gibt Untersuchungen über die Repetitionsfähigkeit bei Streichern die deutlich zeigen, dass die „dominante“ Hand als Bogenhand immer die schnellere und präzisere ist (vgl. Walter Mengler, Musizieren mit links, S. 41–43).


Wenn ein linkshändiger Musiker also seine linke Hand führen lässt, ist er vermutlich in seiner technischen Spielfertigkeit dem rechtshändigen Musiker gegenüber nicht im Nachteil. Es bleibt aber die andere Herangehensweise an musikalische Aufgaben. So könnte ein rechtshändiger Musiker unter Umständen beim Blattspiel im Vorteil sein, da seine dominante Hirnhälfte Informationen linear verarbeitet. Der linkshändige Musiker könnte hingegen beim Improvisieren im Vorteil sein.

Dies sollen nur Beispiele sein, um zu zeigen, wie sich die unterschiedlichen Veranlagungen auf das Musizieren auswirken können.

Aus oben genannten wissenschaftlichen Erkenntnissen geht hervor, dass sich linkshändige und rechtshändige Menschen in ihrer Wahrnehmung und der Herangehensweise an bestimmte Aufgaben unterscheiden.




2.1 Umschulung der Händigkeit und ihre Folgen


Der Versuch, die angeborene Bevorzugung einer Hand (bedingt durch die Dominanz der gegenüberliegenden Hirnhälfte) zu ändern, wird als Umschulung der Händigkeit

bezeichnet. Diese Umschulung, oder auch umgangssprachlich „Umpolung“ kann nie gelingen („Linkshänder lassen sich niemals vollends zu Rechtshändern machen“, Prof. Hartwig Siebner Q. 2), jeglicher Versuch in dieser Richtung führt nur zu Schädigungen und/oder psychischen Störungen. Im englischsprachigen Raum nennt man dies „Brain-Breaking“.

Das Ergebnis dieser Umschulung ist meist der Gebrauch der nicht-dominanten Hand anstelle der geschickteren dominanten Hand. Der Bewegungsimpuls jedoch kommt immer noch aus der dominanten Hirnhälfte und muss von dort erst in die andere Hirnhälfte umgeleitet werden, dieser Umlenkungsprozess beansprucht zusätzliche Energie und braucht Zeit. So kommt es, dass ein umgeschulter Linkshänder für die gleiche Tätigkeit ca. 30 % mehr Energie benötigt. Dies führt zu schnellerer Erschöpfung oder auch Verlangsamung der Bewegung. Das gilt für jede feinmotorisch anspruchsvolle Tätigkeit, wozu wir vor allem das Schreiben oder das Musizieren zählen können.


Wird dieser „falsche“ Handgebrauch über lange Jahre durchgeführt, was bei vielen „umgeschulten“ Linkshändern der Fall ist, kann es zu Primärfolgen kommen wie

  • Gedächtnisstörungen

  • Konzentrationsstörungen

  • legasthenischen Problemen

  • Raum-Lage-Labilität

  • feinmotorischen Störungen

  • Sprachstörungen.


Daraus können die Sekundärfolgen

  • Minderwertigkeitskomplexe

  • Unsicherheit

  • Zurückgezogenheit

  • Überkompensation durch erhöhten Leistungseinsatz

entstehen (siehe „Der umgeschulte Linkshänder“, Dr. Sattler, S. 49–90).


Eine solche Umschulung kann auch am Musikinstrument stattfinden, wenn ein Linkshänder ein für ihn ungeeignetes Rechtshänderinstrument erlernt. Eine Umschulung kann auch freiwillig, praktisch an sich selbst erfolgen, durch Nachahmung und Anpassungsdruck unserer rechtshändig geprägten Umwelt.




2.2 Gibt es eine „Füßigkeit“?


In der hier vorliegenden Arbeit spielt auch der Fußgebrauch eine Rolle, in Bezug auf das Spielen am Drumset. Natürlicherweise wäre der dominante Fuß auf derselben Seite zu finden wie die

dominante Hand. Durch eine teilweise Umschulung kann es aber dazu kommen, dass gewohnheitsmäßig der „stärkere“ Fuß nicht auf der gleichen Seite liegt wie die

wirklich stärkere, weil dominante Hand. Es gibt also keine von der Händigkeit abweichende „Füßigkeit“, da die motorische Dominanz einer Körperhälfte von der Hirndominanz herrührt, und sich nicht unterhalb der Gürtellinie plötzlich umkehrt.

Es handelt sich wie beim stärkeren Gebrauch der nicht-dominanten Hand um die Folge einer Umschulung, egal ob fremdbestimmt oder freiwillig gewählt. Abfragen lässt sich das beim Schüler z. B. in dem man fragt mit welchem Fuß er einen Ball schießen würde.




2.3 Zusammenfassung


Die Händigkeit als Ausdruck der Hirndominanz ist angeboren und kann nicht verändert werden. Zum Bewältigen anspruchsvoller Aufgaben ist es notwendig, dass eine Hirnhälfte die Führung übernimmt. Durch Aufgabenverteilung auf beide Hirnhälften (Lateralisation) unterscheiden sich Linkshänder und Rechtshänder in ihren Denkmustern und Wahrnehmungsfähigkeiten. Der Versuch, die angeborene Händigkeit zu beeinflussen bzw. zu ändern, führt zu Komplikationen. Diese Manipulation wird als „Umschulung“ oder „Brain-Breaking“ bezeichnet. Sie sollte unbedingt vermieden werden.

„Füßigkeit“ auf einer anderen Seite als die Händigkeit ist kein natürlicher Ausdruck der Hirndominanz, sondern die Folge einer teilweisen Umschulung.






3 Linkshänder an Schlaginstrumenten allgemein


Ich möchte jetzt erläutern, wie sich oben beschriebene wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen mit meinen persönlichen Erfahrungen als Schüler, Lehrer und Musiker auf das Unterrichten eines linkshändigen Schülers positiv auswirken könnten.

Ich betrachte hier ausschließlich die Situation an den Schlaginstrumenten, und hier besonders die Chancen, die ein linkshändiger Schüler an diesen Instrumenten hat, denn wie überall sonst ist auch hier für den rechtshändigen Schüler alles „recht“ gemacht.

Glücklicherweise haben Linkshänder bei den Schlaginstrumenten ein wesentlich leichteres Spiel als Kollegen an anderen Instrumenten. Aus folgenden Gründen:

  1. Wir brauchen nur in seltenen Fällen spezielle Linkshänder-Instrumente (Ausnahme hier z. B. das Doppelfußpedal für Linksfüßer).

  2. Theoretisch kann sich jeder sein Setup aufbauen, wie er will.

Wären hier nicht die üblichen Konventionen, die alten Vorurteile Linkshändern

gegenüber und die einseitige Schreibweise von Handsätzen, wäre die Lage als ideal zu bezeichnen.




3.1 Aufbau der Instrumente für Linkshänder allgemein


Ein Linkshänder sollte dort, wo er freie Hand hat beim Aufbau seines Setups, sich für eine spiegelbildliche Anordnung der Instrumente, bezogen auf den „normalen Aufbau“ entscheiden. In der Unterrichtssituation muss man eventuell etwas mehr Raum lassen und Zeit berücksichtigen, um für einen linkshändigen Schüler umbauen zu können.

Bei Auftritten ist der größere Aufwand auch zu berücksichtigen, wenn ein zusätzliches Linkshänder-Setup mit auf die Bühne muss. Genauso wenig wie ein Rechtshänder z. B. auf einem Linkshänder-Drumset spielen würde, nur, weil kein anderes dasteht, sollte man dies umgekehrt von einem Linkshänder erwarten.




3.2 Die verschiedenen Schlaginstrumente im Besonderen


3.2.1 Perkussionsinstrumente

Abgesehen von Handsatzbezeichnungen, die geändert werden müssten, gibt es hier keine Komplikationen. Nur an Bongos und Timbales müssten „Macho“ und „Hembra“ vertauscht werden und Congas müssen umgestellt werden.


3.2.1.1 Ausnahmefall „Tumbao“

Merkwürdigerweise ist hier der Handsatz in seiner traditionellen Form so, dass er dem linkshändigen Spieler entgegenkommt. Denn die linke Hand führt die ganze Zeit:

L-L-R-L-L-L-R-R – Handsatz traditionell beim 1-taktigen „Tumbao“

Also stelle ich hier die Conga mit dem höheren Ton nach links, die tiefer klingende nach rechts. Nur in diesem Ausnahmefall spiele ich wie ein Rechtshänder.



3.2.2 Malletinstrumente

Die Anordnung der Töne ist hier wie beim Klavier. Also sind diese Instrumente in erster Linie für Rechtshänder ausgelegt. Bei näherer Betrachtung der Bewegungsabläufe müssen wir aber unterscheiden zwischen dem Spiel mit 2 Schlägeln und dem mit 4 Schlägeln.

Durch die Arbeitsteilung der beiden Hände beim 2-Schlägel-Spiel ist bei Aufwärtsbewegungen von tiefen zu hohen Tönen die linke Hand führend. Bei Abwärtsbewegungen hingegen ist die rechte Hand führend. Hier stellt sich die Situation relativ ausgewogen dar. Immer dann aber, wenn die linke Hand, also beim linkshändigen Spieler die dominante, dazu bestimmt ist, im Bassbereich weniger aktiv zu sein und die Melodiehand die Führung übernimmt, ist der Linkshänder im Nachteil. Dies wäre also eher auch beim 4-Schlägel-Spiel der Fall.

Es lohnt sich hier aber unter Umständen, die Spielliteratur daraufhin zu überprüfen, ob vielleicht doch öfter die linke Hand Läufe beginnt, und somit die Führungshand ist. Die gleiche Überlegung spielt natürlich eine Rolle bei der Suche nach geeigneter Literatur für Rechtshänder.



3.2.3 Klassische kleine Trommel & Pauken

Bezogen auf die kleine Trommel dürfte es selbst aus optischen Gründen – „Wie sieht das denn aus“ – niemanden stören, wenn der linkshändige Spieler die zu spielenden Figuren mit links beginnt.

Wenn wir uns das Spielen an den Pauken betrachten, gibt es hier auch keinen nennenswerten Nachteil für Linkshänder, da fast ständig beide Hände gleichberechtigt spielen, und wir wie bei der kleinen Trommel den besten Handsatz uns selbst schreiben können.



3.2.4 Rudimental Drumming

Hier könnte die Welt für den linkshändigen Spieler genauso in Ordnung sein wie in der klassischen Musik, wären nicht immer schon Handsätze vorgegeben – die natürlich aufgrund der komplexen Abläufe notwendig und auch Bestandteil der Kompositionen sind.

Sicherlich gibt es manche Stellen, an denen die linke Hand mal führend ist, doch wird niemand bestreiten wollen, dass die hier vorgegeben Handsätze für Rechtshänder gemacht sind. Es stellt schon einen enormen Aufwand dar, diese Handsätze umzuschreiben.



3.2.5 Drumset

Ein linkshändiger Schüler müsste an einem linksherum aufgebauten Drumset unterrichtet werden, damit er die gleichen Lernchancen und Entfaltungsmöglichkeiten hat wie ein rechtshändiger. Denn nur so kann bei allen Figuren, die er spielt, die linke Hand führend sein. Wenn wir auch den Umgang mit einem Doppelfußpedal lehren, müsste hierzu eine Linksfüßer-Version angeschafft werden; fast alle größeren Hardware-Hersteller haben mindestens ein Modell im Programm. Interessanterweise hat sich hier die Zahl der auf dem Markt angebotenen Modelle vergrößert im Laufe der letzten Jahre, was nur an der gestiegenen Nachfrage liegen kann. Ein weiterer Hinweis für die Bedeutung dieser Thematik!

Grundsätzlich sind die Möglichkeiten des Drumset-Aufbaus nahezu unendlich und jeder Drummer wird sich im Laufe der Jahre seinen ureigenen Aufbau kreieren. Im Unterrichtsraum müssen wir aber eine für möglichst viele Schüler brauchbare Lösung finden.

Wenn wir also ein linksherum aufgebautes Set zur Verfügung haben, welches auch mit Linksfüßer-Doppelfußpedal ausgestattet ist, sind wir für alle Eventualitäten gerüstet.

Sollten hierfür nicht der Platz oder die Mittel vorhanden sein, müsste gegebenenfalls für einen linkshändigen Schüler ein Drumset umgestellt werden, was bis auf die Doppelfußmaschine auch kein Problem darstellt.


3.2.5.1 Open-Handed & Cross-Handed

Eine Methode für einen Linkshänder, an einem rechtshändig aufgebauten Set klarzukommen, ist das Open-Hand-Playing, bei dem er mit seiner linken Hand die HiHat spielt. Wenn er das Ride-Becken mit auf die linke Seite nimmt, kann er zumindest das Potential seiner linken Hand frei entfalten. Er erweitert damit auch den Radius seiner rechten Hand, es ergeben sich neue Spielmöglichkeiten, die nur beim Open-Hand-Playing möglich sind. Ein Nachteil könnte sein, dass der dominante Fuß jetzt die HiHat bedient und nicht die Bassdrum. Der Open-Handed-Spieler spielt über kreuz, bezogen auf die Bassdrum. Vielleicht entwickelt er aber auch ein ausgeprägteres HiHat-Spiel.

Ein Beispiel dafür, dieses Problem zu umgehen, gibt uns David Garibaldi, der, wenn er Open-Handed spielt, eine zusätzliche HiHat auf der rechten Seite seines rechtsherum aufgebauten Sets benutzt, also mit seiner rechten Hand und mit seinem rechten Fuß führt, auch Thomas Lang nutzt diesen Vorteil. Die Verwendung einer Remote-HiHat kann die Möglichkeiten noch erweitern.

Wenn ein Linkshänder ein linkshändiges Set spielt – im nächsten Kapitel werden einige berühmte Vertreter genannt –, tut er das meistens Cross-Handed und hat womöglich die gleichen Einschränkungen wie ein Rechtshänder, der nicht Open-handed spielt. Also wäre auch hier eine Remot-HiHat die Lösung.

Als Pioniere des Open-Hand-Playing müssen Jim Chapin und Billy Cobham genannt werden. Weitergeführt haben diese Idee Dom Famularo und Claus Hessler, die wahlweise auf den Ride-Becken oder Hihats mit links oder rechts spielen, also sowohl links- als auch rechtshändig.




3.3 Zusammenfassung


Mit kleinen Einschränkungen bei den Malletsinstrumenten lassen sich alle Schlaginstrumente sowohl rechts- als auch linkshändig spielen, und stellen somit eine gute Wahl für den linkshändigen Schüler dar.

Schwierigkeiten können vorgefertigte (weil für Rechtshänder geschriebene) Handsätze darstellen. Im Unterricht und bei Auftritten sollte der möglichst spiegelverkehrte Aufbau für Linkshänder bedacht werden. Mit einer zweiten HiHat links wäre auch Open-Handed Spielen für Linkshänder möglich.Generell sollte beim Aufbau darauf geachtet werden, dass die linke Hand möglichst oft führend spielen kann.






4 Linkshändige Vorbilder am Drumset


Linkshändige Vorbilder sind meines Erachtens an zwei Merkmalen zu erkennen:

  1. an ihrem Setaufbau

  2. an ihrer Spielweise

In den Bereichen „Percussion“, „Mallets“, „Klassik“ & „Rudimental Drumming“ lässt der Aufbau keine bis wenige Rückschlüsse auf die Händigkeit der Spieler zu. Hier müssten wir die Spielweise im Detail betrachten oder zuverlässige Quellen haben. Angaben über die Händigkeit berühmter Persönlichkeiten, auch in anderen Bereichen, sind aber teilweise widersprüchlich. Darum beschränke ich mich hier auf den Bereich „Drumset“, wo der Punkt Setaufbau gute Rückschlüsse zulässt.




4.1 Am Rechtshänder-Set (Cross-Handed)


Man kann hier feststellen, wenn mehrere Quellen das gleiche berichten, dass einige Schlagzeuger, die als Linkshänder genannt werden, dennoch traditionell, also „Cross-Handed“, an rechtsherum aufgebauten Drumsets spielten und spielen.

Beispiele sind: Ringo Starr (Beatles), Charlie Watts (Rolling Stones), Stewart Copeland (The Police), David Garibaldi (Tower Of Power), z. T. Open-Handed die HiHat mit rechts spielend. Hier können wir uns nur auf Angaben über Händigkeit beziehen.




4.2 Am Rechtshänder-Set (Open-handed)


Dann gibt es Hinweise auf Linkshänder, die „Open-Handed“, aber auch an teils rechtsherum aufgebauten Sets spielen: Carter Beauford (Dave Matthews Band), Will Kennedy (Yellow Jackets), Billy Cobham, Simon Phillips (Toto), Lenny White (Return To Forever). Bei diesen Drummern ist auffällig , dass sie ihre Ride-Becken links in der Nähe der HiHat haben und daher mit links führen, wenn sie HiHat oder Ride-Becken spielen. Bei Tom Fills und bei Akzenten auf den Crashbecken übernimmt dann vorübergehend die rechte Hand die Führung.




4.3 Am Linkshänder-Set (Cross-Handed)


Als letzte Gruppe wäre dann die Liste derer, die tatsächlich an einem linksherum aufgebauten Set spielen, und zwar meiner Kenntnis nach „Cross-Handed“:

Stan Levey, Ian Paice (Deep Purple), Phil Collins, Samuel Giers (Mando Diao), Hannah Billie (Gossip), Ian Haugland (Europe), Felix Lehrmann (Sarah Connor)




4.4 Am Linkshänder-Set (Open-handed)


Ich konnte noch keinen Schlagzeuger finden, der mit diesem Aufbau spielt, weder mit der rechten Hand auf der HiHat, noch mit einer zusätzlichen HiHat links.




4.5 Zusammenfassung


Linkshänder müssen sich permanent an ihre von und für Rechtshänder gemachte Umwelt anpassen, so wundert es nicht wenn sie auch an rechtshändig aufgebauten Drumsets teilweise Musikgeschichte „getrommelt“ haben. Dennoch gibt es erstaunlich viele, und vor allem innovative linkshändige Drummer, die Open-handed ihrer linken Hand freies Spiel lassen konnten.

Und es gibt auch ein paar wirklich berühmte Drummer, die komplett linksherum spielen und als Vorbild dienen können für linkshändige Schüler. Damit es ihnen nicht so ergeht wie David Garibaldi, dem niemand gesagt hat, er könne sein Set umbauen und die HiHat mit links spielen (Claus Hessler: Open-handed playing, S. 11).






5 Unterrichtsmedien für Linkshänder


Zwei wichtige Hinweise sollten hier vorausgeschickt werden:

  1. Aufgrund der Dominanz der rechten Hirnhälfte beim Linkshänder nimmt dieser Informationen eher gleichzeitig auf und weniger linear eine nach der anderen.

  2. Die bevorzugte Blickrichtung eines Linkshänders ist von rechts nach links, entgegen der üblichen Lese- und Schreibrichtung.

Daraus könnte folgen, dass der linkshändige Schüler sich schwerer tut mit dem Erlernen des Blattspiels bzw. mit einem notenbasierten Musikunterricht.

Demgegenüber können in der Rechtshirndominanz aber auch Vorteile bedingt sein, da dort die Fähigkeit angesiedelt ist, Tonhöhen und Melodien zu erkennen.




5.1 Geeignete Literatur


Wie schon erwähnt, können vorgegebene Handsätze für Linkshänder zum Problem werden, wenn sie nur für Rechtshänder geschrieben sind. Wenn dem Linkshänder empfohlen wird, einfach für „L“ sich immer „R“ vorzustellen und umgekehrt, dann ist das nicht „sehl komfoltaber“ (Thomas Stölzl, LHC 04/07/1998).

Für Linkshänder geeignete Literatur erkennt man daran, dass sie die Angabe L & R ersetzen mit Symbolen für dominante Hand – z. B. □ – und nicht-dominante Hand – z. B. ●. Diese Symbolbezeichnungen sind nicht neu, aber sehr effektiv. Schon Dante Agostini hat sie in seinen Büchern verwendet.

Bei einem Standardwerk der deutschsprachigen Schlagzeuglehrbücher, nämlich „MODERN DRUMMING“ von Diethard Stein, geht der Autor sogar rückwärts in dieser Frage: Verwendete er in seiner 4. Auflage von Band 1 noch die Symbolbezeichnung, so hat er sie in der 11. Auflage ersetzt durch LR –Angaben. Ein Rückschritt, wenn man bedenkt, dass eine ganze Gruppe von potentiellen Schlagzeugern dann keine Berücksichtigung mehr findet!

Wie ich schon bei der Betrachtung der Malletinstrumente feststellte, können bei manchen Spielstücken Schlägelführungen vorkommen, die einen Linkshänder ständig benachteiligen, wohingegen andere Literatur ihm mehr entgegenkommt, weil die linke Hand die Führung übernehmen kann.




5.2 Alternative Medien: Play alongs, DVDs, Videos


Für das erfolgreiche Unterrichten eines linkshändigen Schülers kann es hilfreich sein, aus oben genannten Gründen alternative Medien zu verwenden, die seinen Wahrnehmungsfähigkeiten mehr entgegenkommen.




5.3 Zusammenfassung


Aufgrund der anderen bevorzugten Blickrichtung, der anderen Verarbeitung von Informationen bei Linkshändern einerseits und der Bevorzugung von Rechtshändern bei Handsatzbezeichnungen und möglicher Schlägelführung andererseits, sind linkshändige Schüler beim Lernen nach Noten benachteiligt. Die Fähigkeit, mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten zu können, lässt darauf schließen, dass Playalongs oder Videos besser geeignete Unterrichts-Medien sind.






6 Resumee


Wenn ein linkshändiger Schüler ein Schlaginstrument erlernen möchte, hat er eine gute Entscheidung getroffen. Denn kaum eine andere Instrumentenfamilie lässt ihm derartig viele Freiräume offen, legt ihn so wenig fest, was Aufbau und Spielweise angeht. Nur Schlaginstrumente lassen sich gleichermaßen rechts- wie linkshändig spielen. Das sollte uns aber nicht schlussfolgern lassen, es wäre egal, wie man sie bedient. Dem Instrument ist es natürlich egal, für den Spieler macht es einen enormen Unterschied aus, denn Linkshänder „ticken“ anders als Rechtshänder. Wir dürfen nicht versuchen, sie zu Rechtshändern zu machen und sollten auch nicht zulassen, wenn sie sich selbst dazu machen wollen. Das hätte negative Auswirkungen auf die Gesundheit zur Folge.


Uns stehen viele Mittel zur Verfügung, um das zu vermeiden:

  • Wenn möglich ein spiegelverkehrter Aufbau der Instrumente

  • Handsätze selbst schreiben, bzw. alternative Bezeichnungen verwenden

  • Berühmte linkshändige Vorbilder studieren

  • Geeignete Literatur auswählen

  • Moderne Unterrichtsmedien verwenden






7 Online-Quellen


- Bericht über Studie der Neurologen Prof. Hartwig Siebner (Kiel) und Stefan Klöppel (Freiburg).

- Ein paar Worte zum Schlagzeug von Thomas Stölzl (Graz) bei „Lefthandcorner“.






8 Literaturverzeichnis


Agostini, Dante: MÉTHODE DE BATTERIE, Editions Dante Agostini, Paris 1977.

Hessler, Claus / Famularo, Dom: OPEN-HANDED PLAYING VOL. 1, Alfred-Verlag 2008 (USA).

Mengler, Walter: Musizieren mit links, SCHOTT, Mainz 2010.

Sattler, Johann Barbara: Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn, Auer-Verlag, 10. Auflage, Donauwörth 2008.

Stein, Diethard: MODERN DRUMMING 1, Leu-Verlag, 4. Auflage 1996, 11. Auflage Bergisch-Gladbach 2007.










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