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Bericht: Bau meines Linkshändercellos

Als beidseitig spielende Cellistin habe ich es gewagt, mir unter Anleitung und Hilfe eines Geigenbauers zusammen mit meinem Partner ein Linkshändercello zu bauen. Da dieses von außen auf den ersten Blick rechts-links-symmetrische Instrument im Detail einige Asymmetrien aufweist, deren Spiegelung viel Aufmerksamkeit entgegen der Routine erforderte, möchte ich diese in meinem Bericht hervorheben.


Laila Kirchner mit dem neu gebauten Linkshänder Cello

Mein bisheriges Linkshänderinstrument war ein Schülercello der Geigenbauwerkstatt Berndt & Marx. Das habe ich für mich passend eingerichtet, indem ich einen guten Steg von meinem Rechtshänderinstrument umgedreht darauf gesetzt, gute Saiten darüber gezogen und einen Carbon-Stachel eingesetzt habe. Es ist gut eingespielt, hat aber klanglich seine Grenzen. Als ich den Cellobauer meines Vertrauens bat, es zu überarbeiten, riet er mir, stattdessen ein neues Instrument zu bauen. Das behielt ich zunächst im Hinterkopf. Nachdem es in Weilchen in mir gearbeitet hatte, kam ich auf den Vorschlag zurück und wir planten den Bau. Es war auch sein erstes Linkshänderinstrument und wir besprachen, worauf es ankommt. Da ich schon viel länger mit rechts streiche und bereits ein entsprechendes Instrument gebaut hatte, ist rechtsherum auch für mich die gewohnte Bauweise.

Der symmetrische Zargenkranz, der die äußere Form des Cellos vorgibt ist problemlos auch für ein Linkshänderinstrument verwendbar. Die davon abgezeichneten Decke und Boden werden von außen ebenfalls symmetrisch bearbeitet. Letzterer auch von innen.


Der entscheidende Moment bei der Bearbeitung des Korpus’ begann beim Anpassen des Bassbalkens. Dieser dient zur Verstärkung der Decke, um den hohen Druck der C-Saite auf den Steg auszuhalten, und wird entsprechend darunter platziert. Routinemäßig setzte der Geigenbauer zur Demonstration des nächsten Arbeitsschrittes den Hobel rechts an. Da ich aber die innere Anordnung bereits mehrfach durchdacht hatte, fiel es mir sofort auf und konnte nach links korrigiert werden. Danach konnte ich meine Decke immer am Bassbalken erkennen.


Bassbalken hobeln

Die Grundform von Hals und Schnecke ist auch symmetrisch angelegt. Jedoch ist die Übergangsstelle am unteren Ende, über die man den Daumen abzieht, um von den Hals- in die Daumenlagen zu kommen, auf der Greifseite gerne etwas eingekerbter. Entsprechend nahm ich die Anpassung von vornherein für meine rechte Hand vor. Da ich mich sehr auf diese Stelle konzentrierte, blieb der obere Halsteil etwas außer Acht und ich musste ihn gegen Ende hin nochmals ausdünnen und anpassen.


Zurechtfeilen des Halsfußes für den rechten Daumen

Für das Griffbrett wählten wir eine runde Form und zogen es später auf der linken Seite ab, sodass eine Kante für die stark schwingende C-Saite entstand. Da mir eine Abrundung des Griffbrettes am unteren Ende zur C-Saite hin gefiel, tätigte der Geigenbauer einen entsprechenden Schnitt. Plötzlich stellte mein Partner fest, dass es auf der falschen Seite passierte. Zum Glück war das Griffbrett noch über dem Normmaß, konnte begradigt und zur anderen Seite hin abgerundet werden.

Kante am Griffbrett und Wirbelanordnung (Mitte)

Manche Linksspieler lassen sich die Wirbel wie bei Rechtshänderinstrumenten anordnen oder spielen auf umgebauten Instrumenten, bei denen der unterste Wirbel nicht gegen den eigenen Kopf stößt. Da ich jedoch bereits einen gespiegelten Neubau gewohnt war, wollte ich die herkömmliche Bauweise beibehalten. Ich mag die gelegentliche Übertragung der Schwingungen vom Wirbel auf meine Schläfe.

Das Einsetzen des Stimmstocks fühlte sich für den Geigenbauer sehr ungewohnt und irritierend an. Als er ihn später korrigieren wollte, suchte er mehrfach vergeblich auf der falschen Seite.


Seltener Einblick: Der Stimmstock

Manchmal nutzt er bereits fertige Stege, weil diese eine gute Form und einen schönen Klang haben. In diesem Falle musste er einen neuen Steg-Rohling verwenden und ihn zuschneiden, weil ja alle vorhandenen an Rechtshänder-Instrumente angepasst waren.

Beim Aufspannen der Saiten musste die Reihenfolge beachtet werden. Wir begannen mit den Außensaiten A und C. Anschließend spannte ich die D-Saite aus Versehen neben das C.

Als ich das Instrument das erste Mal spielen wollte, wollte ich wie gewohnt bei dieser Spielweise links die Stachelschraube lösen. Diese war natürlich zunächst rechts platziert worden, konnte aber nach Abspannen der Saiten ganz einfach nach links gedreht werden.

Was noch ungespiegelt ist und daher stets ein Umdenken erfordert, jedoch bereits vom Vorgängerinstrument zu meiner Routine gehört, ist die Ausrichtung der Schraubgewinde der Feinstimmer. Das Stimmen damit erscheint mir immer so, als würde ich in die falsche Richtung drehen müssen. Ich hoffe, dass in Zukunft auch Feinstimmer mit Linksgewinde hergestellt werden.

Der Geigenbauer spielte das Instrument zunächst rechts-, dann auch einmal linksherum was er erstaunlich gut umsetzen konnte. Anschließend beobachtete ich jedoch auch bei ihm die mir von meinen Anfängen her bekannte Verwirrung und Verwechslung beider Seiten und Richtungen.


Es ist ein wunderschönes Instrument mit einem großen warmen Klang geworden und ich bin sehr dankbar, dass wir es unter seiner Anleitung bauen durften. Obgleich ich mit keiner konkreten Vorstellung darangegangen bin, entspricht es meinen Wünschen und motiviert mich, zu spielen. Meine Vermutung, dass mir das andere Instrument klangliche Grenzen vorsetzte, hat sich bestätigt und ich bin sehr motiviert, mein neues Cello zu spielen und seine und meine Poteniale zu entfalten.


Laila Kirchners fertiges Linkshändercello
Das Ergebnis!

 

mehr über Laila Kirchner im Interview und auf ihrer Website




Instrumentenfotos: Laila Kirchner

Titelbild und oberstes Foto: Alexander Englert

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