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Software-Lösungen zum Spiegeln der Tastatur bei Digitalpianos


von Peer Oehlschlägel


Anlässlich eines musikpädagogischen Workshops zum Thema „Händigkeit im Instrumentalunterricht“ im Frühjahr 2024 in Husum habe ich mal wieder eine Internetrecherche durchgeführt. Dabei bin ich auf den „web-midi-mirror“ gestoßen.


Das kleine Programm nutzt das „Web-Midi“-Protokoll und funktioniert mit Googles Chrome Browser auf jedem Laptop/PC unabhängig vom Betriebssystem. Geschrieben wurde es 2019 von Stéphane Soppera. Unter diesem Link (extern) ist es im Internet zu finden. Es lässt sich auch herunterladen und dann ohne Internetverbindung nutzen.


Seit 2003 befinde ich mich in der Rückschulung auf meine linke Hand und achte besonders darauf, wie es mir bei linkshändigen Tätigkeiten ergeht. Bei meinen Hauptinstrumenten, den Schlaginstrumenten, spiele ich fast ausschließlich linksherum. Es gibt Instrumente, die ich versucht habe, zu erlernen, mir in meinem bisherigen Leben aber nicht zu eigen machen konnte. Mit der Rechtshändergitarre kam ich zum Beispiel gar nicht klar, beim Klavier fiel es mir leichter. Bis zu einem fortgeschrittenen Anfänger habe ich es beim Piano geschafft und konnte Anfänger-Unterricht auf diesem Instrument erteilen. Für mich selber zum Entspannen spiele ich ab und zu linkshändig E-Piano und genieße die dann eintretende Entspannung.


Wenn ich mich früher ans Klavier gesetzt habe (als unerkannter Linkshänder am Rechtshänder-Instrument), war es immer ein hartes Stück Arbeit. Immer mal wieder habe ich geschaut, welche Möglichkeiten es gibt, ein E-Piano „umzupolen“.

Zuerst bin ich vor etlichen Jahren auf den „Bome-Midi-Translator“ gestoßen. Es gelang mir auch mit der kostenlosen Version, mein Keyboard zu spiegeln. Hierzu ist auf Linksgespielt auch ein Beitrag zu finden. Es ist aber relativ aufwendig, dieses „Mapping“ durchzuführen.

Einige Jahre später habe ich das Programm „MidiPipe“ entdeckt, welches nur auf MacOS (Apple-Computer) läuft. Es kann aber mit Hilfe einer schon vorhanden Datei (Mirrored Piano.mipi) dasselbe wie der Bome-Midi-Translator und ist kostenlos.


Beide Programme, Bome-Midi-Translator & MidiPipe, sind eigentlich konzipiert für die vielfältige Bearbeitung von MIDI-Befehlen und können alles mögliche leisten, um MIDI-Geräte zu steuern.

Beim „web-midi-mirror“ verhält es sich eigentlich wie bei einem Hardware-Keyboard-Mirror: Er hat nur diese eine Funktion und ist daher einfacher zu handhaben. Als schnelle, einfache Lösung ist natürlich ein Hardware-Mirror am besten, weil klein und transportabel.

Kostengünstiger ist aber wohl der „web-midi-mirror“, vorausgesetzt es ist ein Laptop/PC vorhanden. Es braucht dann nur ein Midi-Interface für ab ca. 20,- € angeschafft zu werden.



Bild 1: Ein Tablet ist an ein E-Piano angeschlossen
Der web-midi-mirror auf einem kleinen Tablet-PC auf meinem Clavinova


Auf dem Foto sieht man ganz gut im Browserfenster die einfachen Schaltflächen für die Auswahl des Midi-Interfaces und die LOCAL-CONTROL-Schalter. LOCAL CONTROL bedeutet, dass der interne Ton des E-Pianos an-/abgeschaltet werden kann.


Beim linkshändigen Spiel muss LOCAL CONTROL abgeschaltet werden, damit nur der „gespiegelte“ Ton zu hören ist und nicht beide gleichzeitig (original & gespiegelt). Dadurch, dass dieser Befehl ferngesteuert wird (vom Browser aus), muss man nicht am E-Piano suchen, wo sich das abschalten lässt. Das ist nämlich mitunter etwas komplizierter und bei jedem Fabrikat anders.


Heidi Schneider hat mich dankenswerterweise auf einen Aspekt beim umgepolten E-Piano hingewiesen: Ist die Tastatur erfolgreich gespiegelt, kommt der Ton leider von der falschen Seite! Möchte man hier ein authentisches Hörgefühl haben, müsste der Stereoton auch links-rechts vertauscht werden.



E-Piano, auf dem neben Noten und Tablet links und rechts eine externe Lautsprecher-Box steht.
Lösung: Clavinova mit zusätzlichen Lautsprechern

Wenn man gerne mit Kopfhörern spielt, ist das Problem leichter gelöst: Kopfhörer umdrehen!





Aufbau



Aufbauschema: Computerdisplay – USB MIDI Interface – E-Piano



Entsprechend dem Aufbauschema habe ich 3 Arten von MIDI-interfaces mit dem web-midi-mirror getestet:


  1. Vom Hersteller TIE, ein preiswertes USB-MIDI-Interface für ca. 20,- €

  2. Vom Hersteller Presonus, das AudioBox96, ein Audio-&-MIDI-Interface für ca. 95,- €

  3. Vom Hersteller ESI, ein reines 4-Kanal-MIDI-interface, für ca. 140,- €


Alle Interfaces werden computerseitig per USB verbunden, E-Piano-seitig mit MIDI-Kabeln:

Es wird MIDI-Out des Interfaces mit dem MIDI-In des E-Pianos verbunden und umgekehrt MIDI-In des Interfaces mit MIDI-Out des E-Pianos.


Das günstigste MIDI-Interface funktioniert leider nicht mit einem Windows-Rechner. Bei einer Neuanschaffung lohnt es sich daher, ein höherwertiges Produkt zu wählen.





Web-midi-mirror Test



Tabelle zur Kompatibilität der getesteten Interfaces mit verschiedenen Betriessystemen. Ergebnis: Die Interfaces "AudioBox96" und "ESI M4 U" funktionieren mit Mac OS, Windows und Linux. "TIE" hingegen geht nur mit Mac OS und Linux.










Zusammenfassung: Software zum Spiegeln der Tastatur


Das Programm „web-midi-mirror“ lässt sich kostenlos aus dem Internet laden und funktioniert auf jedem Laptop/PC mit CHROME-Browser (oder kompatiblen Browsern). Einmal abgespeichert, lässt es sich auch ohne Internetzugang benutzen. Es lässt sich noch einfacher bedienen als ein „Hardware-Mirror“, da der LOCAL-OFF-Befehl ferngesteuert wird.


Wer schon im Besitz eines MIDI-Interfaces ist, kann kostenlos die Tastatur eines E-Pianos spiegeln.

Wer überlegt, einen „Harware-Mirror“ zu kaufen, kann unter Umständen etwas sparen, weil nur ein MIDI-Interface angeschafft werden muss. Im Falle der Neuerwerbung eines MIDI-Interfaces sollte auf Windows-Kompatibilität geachtet werden, wenn man Windows nutzt.


Um das Klangerlebnis der gespiegelten Tastatur anzupassen, muss für den richtigen Raumklang der rechte Lautsprecher mit dem linken vertauscht werden. Das lässt sich mit Extra-Boxen erreichen. Dieses Problem stellt sich nicht, wenn das E-Piano gar keine eingebauten Lautsprecher hat oder mit Kopfhörern gespielt wird.




Fotos: Peer Oehlschlägel








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