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ROMAN GLUKHOV

Barockvioline

Foto: © privat

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Roman Glukhov, linkshändiger Barockgeiger

Der Barockgeiger Roman Glukhov wurde am 03.01.1983 in Dombovar (Ungarn) geboren. Mit sechs Jahren erhielt er seinen ersten Geigenunterricht in Odessa (Ukraine). Später kam er ans Music College in Novomoskovsk (Russland). Er studierte Historische Aufführungspraxis an der Maimonide State Classical Academy. 2008–2014 besuchte er Meisterkurse im Savaria Early Music Workshop in Szombathely (Ungarn), wo er Geigenunterricht bei Zsolt Kallo bekam.

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Im Interview mit Linksgespielt

21. August 2021

Welche Hand benutzt du im Alltag hauptsächlich, also zum Essen, Schreiben etc.?

Alle Dinge wie Essen, Schreiben, Zeichnen usw. habe ich schon immer mit links gemacht.

 

Hast du dein Instrument von Anfang an mit links gestrichen?

Ja, ich habe mit links gestrichen, seit ich im mit sechs Jahren angefangen habe. Ich habe die traurige Erfahrung gemacht, entgegen meiner Natur umlernen zu müssen – ein verlorenes Jahr meiner Ausbildung. Ich kann einfach nicht andersrum spielen!

Gab es von irgendeiner Seite Vorbehalte oder Bedenken gegen dein Linksspielen? 

Ja, natürlich gab es immer Vorbehalte und Bedenken. Manche sagten, es würde schwierig werden, im Orchester zu spielen, weil meine andere Spielweise ein Grund sein könnte, mich nicht einzustellen. Andere hingegen sagten: Mach dir keine Sorgen, alles wird gut.
Ich habe mich immer mehr fürs Solo- und Ensemblespiel interessiert als fürs Orchester. Ich habe mir da keine Sorgen gemacht.

Und als ich mit Barockmusik anfing, wurde mir klar, dass diese Musik und ihre Spielart mir und meinem Wesen sehr nahe ist. 

Wo hast du deine Instrumente her?

Inzwischen habe ich meine eigene wundervolle Violine. Sie wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einer deutschen Werkstatt gebaut und ist jetzt ein richtiges Linkshänder-Instrument! Ich habe eine Geschichte dazu, wie sie in mein Leben kam: Das war damals, als ich historische Aufführungspraxis in Moskau studierte. Bis dahin hatte ich auf einer umbesaiteten Rechtshändergeige gespielt. Ich ging in die Werkstatt eines Geigen-Restaurators und erklärte ihm, wonach ich suchte: 

Vor allem war mir wichtig, dass der Wirbel der E-Saite auf der anderen Seite sein sollte, weil er mich sonst beim Spielen in der ersten Lage störte. Auch die Innenkonstruktion sollte gespiegelt sein und natürlich musste es sich um eine Barockgeige handeln. 

Der Geigenbauer zeigte mir eine kaputte alte Geige. Er konnte sie nicht mehr restaurieren wegen eines zu großen Risses in der Decke. Aber durch den Umbau zur Linkshändergeige, wo ja der Bassbalken innen auf der anderen Seite ist, konnte der Riss geschlossen werden.

Dieses Instrument war für mich bestimmt! 

Siehst du für dich Vorteile darin, ‚andersrum‘ zu spielen?

Ich denke, mein Vorteil ist vor allem, dass es sehr beeindruckend aussieht, wenn ich Duo mit einer anderen Geige spiele. Meistens fällt den Leuten im Publikum nichts Ungewöhnliches an meiner Spielweise auf. Nur Musiker*innen bemerken den Unterschied. 

Ich sehe die Möglichkeiten linksspielender Musiker*innen in der Barockmusik, in Kammermusik und im Solospiel.

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