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IRIS FACETO

Viola da gamba

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Foto: © privat

Iris Faceto begann ihre musikalische Ausbildung in Brasilien an der klassischen Gitarre. Parallel arbeitete sie an mehreren Projekten zum Unterrichten blinder Menschen in der Braille-Musikschrift.

2014 beschloss sie, nach Italien zu ziehen und sich der Alten Musik zu verschreiben – durch das Studium des nobelsten aller Instrumente, der Viola da gamba.

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Im Interview mit Linksgespielt

6. September 2021

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Wie beschreibst du deine Händigkeit?

Ich bin voll und ganz Linkshänderin – und sehr stolz drauf! 

 

Hast du deine Instrumente von Anfang an linksrum gespielt?

Ja.  Nur ganz am Anfang, als ich mit Gitarre anfing, habe ich zwei oder drei Monate lang rechtsrum auf der Gitarre meines Vaters gespielt… Gambe habe ich dann von Anfang an mit links gespielt.

Aus welchem Grund spielst du linksrum? Und gab es von irgendeiner Seite Vorbehalte dagegen?

Es war die Idee meines Vaters. Einfach, weil es ihm logisch erschien, als Linkshänderin auch linkshändig Gitarre zu spielen. Also kaufte er mir ein Instrument und besaitete es um. Als wir dann zur ersten Gitarrenstunde kamen, hatte ich die Grenze zur „dunklen Seite der Macht“ schon übertreten.

Keine/r meiner insgesamt vier GitarrenlehrerInnen hat jemals etwas zu meiner linken Spielweise gesagt, es war etwas ganz Normales.

Dann ging ich nach Italien, um Gambe zu studieren – ein Streichinstrument. Eine/r meiner drei LehrerInnen lies mich einen Monat lang auf die „rechte Art“ üben. Aber nach 10 Jahren klassischer Gitarre und bereits zweijährigem Gambenstudium, konnte ich nicht anders spielen. Natürlich war es zu spät für eine „Korrektur“.

Woher hast du deine Instrument?

Bei meiner ersten Gitarre hatten wir einfach die Anordnung Saiten geändert. Später habe ich mir eine klassische Gitarre für meine Bedürfnisse bauen lassen. Meine Bassgambe ist ein Rechtshänderinstrument mit einigen Anpassungen für links und meine Pardessus [= kleine Gambe in der Tonlage einer Geige] ist eine Spezialanfertigung, also eine echte Linkshändergambe.

 

Spielst du im Orchester? Was sind dort deine Erfahrungen mit Linksspielen?

Normalerweise spiele ich nicht im Orchester, aber gelegentlich kommt es vor. Ich glaube, für Barockorchester sind Linksspielende kein Problem. Schließlich mischen sie auch Celli und Gamben, die ja auch in entgegengesetzte Richtungen streichen. Und wegen des Platzes: Ich werde immer an den Rand gesetzt.

 

Welche kuriosen Erlebnisse hattest du schon mit deiner Spielweise?

Gamben-Ensemble in kleinen Räumen! Da stoßen wir immer mit den Bögen aneinander. Aber ein Duo mit symmetrischer Bogenführung ist wirklich schön anzusehen.

Gab es negative Reaktionen?

Nein, die Leute sind eher neugierig, wie man auf diese Art spielen kann.

 

Siehst du für dich Vorteile darin, ‚andersherum‘ zu spielen?

Darüber denke ich nach, seit ich vor etwa 15 Jahren mit der Musik angefangen habe.. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass LinkshänderInnen linkshändig spielen sollten. Ich kann nur für Streichinstrumente sprechen, wo beide Hände sehr unterschiedliche Aufgaben haben; nicht für das Klavier oder die Flöte, wo links und rechts ähnliche Sachen machen.

Das Wichtigste bei uns StreicherInnen ist der Bogen: Wie erzeugt man Klang, Artikulation, Ausdruck etc.? Das erfordert eine extreme Präzision im Bogen und es ist besser, wenn wir das mit unserer Lieblingshand machen. Natürlich können wir mit viel Übung auch andersherum spielen, aber was ich meine, ist das Aplomb, die Souveränität unserer natürlichen Spielweise. Es ist ja nicht nur ein Thema beim Musizieren. Wir machen alles mit links: Wir essen, wir schreiben, wir putzen unsere Zähne und kämmen unsere Haare mit dieser Hand. Dadurch ist sie stärker entwickelt als die andere. Auch für reflexhafte Bewegungen zum Selbstschutz nehmen LinkshänderInnen die linke Hand…

Ja, ich denke es ist ein Vorteil, so zu spielen, wie es die Natur für uns bestimmt hat.

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