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FILIP STASIAK

Kontrabass

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Filip Stasiak Double Bassist

Filip Stasiaks musikalische Ausbildung umfasst ein Diplom in Kammermusik von der Wilfried Laurier University sowie einen Master von der University of Western Ontario und einen Bachelor von der Wayne State University in Detroit. Seine Hochschulstudien wurden ergänzt durch zahlreiche Kurse beim Tafelmusik Baroque Summer Institute und dem kanadischen Kontrabassvirtuosen Joel Quarrington. Derzeit ist Filip Bassist im Niagara Symphony, Solobassist im Peterborough Symphony und Solobassist im International Symphony of Sarnia and Port Huron. 

© Filip Stasiak

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Im Interview mit Linksgespielt

01. Oktober 2021

Siehst du dich als Links- oder Rechtshänder? Und ist das Teil deiner Identität als Musiker?

Ich sehe mich primär als Linkshänder. Im Alltag, z. B. beim Schreiben, ist meine linke Hand dominant. Ich betrachte das nicht als Teil meiner musikalischen Identität und denke beim Spielen kaum daran. Allerdings benutzen es Kolleg*innen von mir oft als Erkennungsmerkmal, wenn sie über mich sprechen. Ich wurde schon oft als „der linkshändige Bassist“ vorgestellt. 

 

Hast du dein Instrument schon immer ‚andersrum‘ gespielt?

Ja, ich habe schon immer linkshändig gespielt. Bevor ich mit Bass angefangen habe, spielte ich schon einige Jahre Gitarre. Als ich die Gitarre zum ersten Mal in die Hand nahm, fühlte es sich natürlicher an, sie 'andersrum' zu halten. Ich konnte meine Hände einfach nicht koordinieren, wenn ich es auf die konventionelle Art versuchte. Daher erlaubte mir mein Lehrer, linkshändig zu spielen. Auf der Gitarre war das kein großes Thema, denn Linkshändergitarren gab es schon in nahezu jedem Musikgeschäft. Da erübrigten sich Probleme bezüglich der richtigen Position von Stimmstock und Bassbalken, wie wir sie beim Kontrabass haben.

 

Gab es von irgendeiner Seite Vorbehalte, als du linksrum Kontrabass lernen wolltest?

Ja, viele Instrumentallehrer*innen der Umgebung hatten Bedenken. Ihre Argumente waren: „Linkshänderinstrumente gibt es nicht“, „Das macht man nicht“, „Dein Lehrer wird dich so nicht unterrichten können“. Diese Begründungen kamen mir nicht überzeugend vor. Heute weiß ich, dass jeder vernünftige Geigenbauer glücklich wäre, dir ein Linkshänderinstrument zu bauen oder ein altes Instrument entsprechend zu restaurieren. Und zu dem Punkt, dass Lehrer*innen mich nicht unterrichten könnten: Sie unterrichten doch mit ihrem eigenen Instrument und nicht mit meinem! Warum sollte es da eine Rolle spielen, was ich für ein Instrument habe?

 

Wer hat dich beim Linkslernen unterstützt?

Die meiste Unterstützung bekam ich von meinen Hauptfachlehrern im Studium. Sie sagten: „Musik ist Musik; und wenn du gut spielst, ist alles andere egal. Man hört schließlich nicht mit den Augen.“

 

Hattest du Vorbilder im Linksspielen?

Ich kannte im klassischen Bereich keine Linksspielenden. Aber meine Lieblingsgitarristen waren zufällig Linkshänder. Jimi Hendrix und Kurt Cobain mochte ich schon am liebsten, bevor ich merkte, dass sie andersrum spielten. 

 

Woher hast du deine Instrumente?

Der Bass, auf dem ich hauptsächlich spiele, ist von Emanuel Wilfer. Ich habe ihn mir 2004 während meines Grundstudiums bauen lassen. Zunächst hatte ich überlegt, einen Bass auf links umbauen zu lassen, aber das wäre sehr teuer geworden. Es erwies sich als sinnvoller, ein linken Neubau zu bestellen, als einen Rechtshänderbass aufzumachen und für linkes Spiel umzubauen. Der Preis eines Studierendeninstruments plus Umbau wäre genauso teuer geworden wie mein komplett neuer Wilfer.

Mein Zweitbass ist auch von Wilfer, aus den 1970er Jahren. Ich habe ihn in sehr schlechtem Zustand für $200 bekommen. Er musste ohnehin komplett auseinandergenommen werden, sodass die Umbaukosten nicht teurer waren als die Reparatur. 

 

Spielst du im Orchester? Was sind da deine Erfahrungen bezüglich der linken Spielweise?

Ja, ich bin in mehreren Orchestern – in manchen als festes Mitglied, in anderen als Aushilfe. Einen meiner festen Verträge bekam ich nach einem blinden Probespiel, bei dem alle Runden hinter dem Vorhang  stattfanden. Den meisten Mitgliedern des Orchesters schien es nichts auszumachen, als sie mich dann linkshändig spielen sahen. Und für diejenigen, die ein Problem damit hatten, war es schwierig, gegen meine Anstellung zu argumentieren, weil es ja ein blindes Auswahlverfahren war und mein Spiel offensichtlich zu den musikalischen Vorstellungen des Orchesters gepasst hatte. 

Zwei andere feste Verträge in kleineren Teilzeit-Orchestern bekam ich eher durch Ernennung als durch Probespiele. Diese Posten wurden mir wegen meines Ansehens und meiner Erfahrung als Musiker angeboten. Ich bin sehr glücklich darüber, dass es diesen Orchestern mehr ums gemeinsame Musizieren ging, als darum, wie das im Konzert aussieht. Mit solchen Leuten arbeite ich gerne zusammen.

Als freischaffender Musiker habe ich von einigen Orchestern Widerstand erfahren. Die Verantwortlichen hatten Sorge, dass meine umgekehrte Strichrichtung ablenken und die Einheitlichkeit der Gruppe stören könnte. Ich habe auch mitbekommen, dass manche meinen, ich spiele nur linkshändig um aufzufallen und aus der Menge herauszustechen. Wenn sie ersthaft glauben, dass es mein Plan ist, besondere Aufmerksamkeit zu bekommen, ergibt es natürlich Sinn, dass sie sich um die Gleichmäßigkeit und Balance in der großen Bassgruppe Sorgen machen.

 

Welche kuriosen Erlebnisse hattest du schon mit deiner linken Spielweise?

Es gab ein paar lustige Momente, wenn Musiker*innen, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeitete,  irgendwann merkten, dass ich linksrum spiele. Ich hatte zum Beispiel Kolleg*innen, die mich im Orchester nie im Blickfeld hatten und es daher einfach nicht wussten. Ihre überraschten und verwirrten Gesichter waren sehr amüsant!

 

Siehst du Vorteile darin, ‚andersrum‘ zu spielen?

Einen Vorteil habe ich beim Unterrichten festgestellt, wo ich bemerkte, dass meine Schüler*innen meine Bewegungen ganz einfach nachmachen können, da wir uns spiegelbildlich gegenüber stehen. Das ist ähnlich, wie wenn Gymnastiklehrer*innen spiegelbildlich unterrichten. 

Der einzige andere Vorteil, den ich sehe ist, wenn linkshändige Menschen mit der konventionellen Spielweise Probleme haben. Leider gibt es noch nicht genügend verfügbare Linkshänder-Instrumente zum Ausprobieren. Ich kenne viele exzellente linkshändige Musiker*innen, die auf die konventionelle Art spielen und mir sagten, sie hätten ihr Instrument lieber andersrum gelernt. Sie hatten aber nicht die Möglichkeit dazu, und haben den Eindruck, dass sie das in ihrem Lernprozess behindert hat. Es ist schwer zu sagen, was da dran ist, weil wir alle verschieden sind.

 
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